Gebäude Thermografie – Lecksuche/Leckortung mit Thermografiekamera

Werden mittels Thermografie Gebäude untersucht, geht es in der Regel darum, Wärmebrücken zu finden, die zu Wärmeverlusten und hohen Heizkosten führen. Andererseits kommt Gebäude-Thermografie zum Einsatz, wenn es im Rahmen einer Leckortung darum geht, Leckagen im Gebäude ausfindig zu machen, etwa im Kontext einer Fußbodenheizung.

Zum Einsatz kommt eine Thermografiekamera (Wärmebildkamera). Doch nicht jeder kann/sollte solche Analysen machen. – Erfahren Sie hier mehr, und nutzen Sie – gerade auch im Kontext von Feuchte-/Wasserschäden die Expertise der Deutschen Schadenshilfe!

Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Kontaktlose Leckortung mit Gebäudethermografie

In vielen deutschen Haushalten entstehen in der kalten Jahreszeit jedes Jahr horrende Heizkosten. Die Ursache sind Wärmebrücken und schlecht isolierte Wände, über die Wärme aus dem Innenbereich des Hauses nach außen entweicht. Neben den Heizkosten bringt entweichende Wärme jedoch noch ganz andere Probleme mit sich, die die Wohnqualität erheblich beeinträchtigen können.

Gebäudethermografie hilft Hausbesitzern dabei, Wärmebrücken und Schwachstellen in der Wärmedämmung der Fassade aufzuspüren, sodass diese effizient behoben werden können. Auf diese Weise können Wärmeverluste vermieden und Heizkosten dauerhaft gesenkt werden.

Wärmebrücken – das Wichtigste in Kürze

Von einer Wärmebrücke spricht der Experte bei einer Stelle der Gebäudehülle, die mehr Wärme nach außen leitet als die umliegenden Bauteile. Dies ist konstruktionsbedingt besonders an Fenstern, Rollladenkästen oder an Stellen, an denen Leitungen oder Stahlträger in der Wand verbaut sind, der Fall. Gleichzeitig betrifft es jedoch auch sämtliche Stellen des Gebäudes, an denen die Wärmedämmung der Außenwände durch Beschädigung oder unsachgemäßen Einbau durchlässiger ist als vorgesehen. Zudem entstehen auch an Hausecken unweigerlich Wärmebrücken, da die Außenfläche größer als die Innenfläche ist und daher mehr Wärmestrahlung abgibt.

Dies führt dazu, dass Wärme nach außen abfließt – der Wohnraum kühlt sich schneller ab und muss daher stärker beheizt werden, um die gewünschte Temperatur zu halten. Durch den Temperaturunterschied kommt es in der Nähe von Wärmebrücken zudem im Winter zu Kondensation, die die Wand feucht werden lässt (vgl. auch: Wand feucht, was tun?). Die Kombination aus Wärme-Lecks und unzureichender Belüftung zählt somit zu den häufigsten Schimmelbefallursachen in Wohnhäusern (vgl. auch: Schimmel in der Wohnung: Ursachen).

Gebäudethermografische Untersuchung – Ablauf, Technik und Vorteile

Bei der Gebäudethermografie nimmt der durchführende Energieberater mit einer Thermografiekamera Wärmebilder, sogenannte Thermogramme, aus mehreren Winkeln auf, um Wärmeverluste möglichst genau zu lokalisieren. Durch Auswertung der verschiedenen Aufnahmen entstehen am Computer detaillierte Modelle, auf denen genau zu erkennen ist, an welchen Stellen der Gebäudehülle Wärme austritt. Auf dieser Grundlage klärt der Energieberater darüber auf, welche Maßnahmen zur Senkung der Wärmeverluste möglich und sinnvoll sind.

So funktioniert die Gebäudethermografie

Die Gebäude-Thermografie (auch: Bauthermografie) macht sich dabei das physikalische Prinzip der Wärmestrahlung zunutze: Ist ein Körper wärmer als die Umgebung, gibt er Wärme in Form von elektromagnetischer Strahlung ab. Da ihre Wellenlänge im Infrarot-Spektrum liegt, ist die Wärmestrahlung mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Um sie sichtbar zu machen, werden bei der Gebäudethermografie mithilfe einer speziellen Wärmebildkamera Infrarotbilder erstellt, auf denen unterschiedlich warme Stellen der Außenwände in verschiedenen Farben zu erkennen sind. Während kalte Stellen der Fassade auf den Aufnahmen der Thermografiekamera in Grün- und Blautönen dargestellt werden, sind wärmere Stellen, an denen folglich Energieverluste entstehen, auf Wärmebildern in Gelb oder Rot erkennbar.

Wärmeverluste am Haus werden durch derartige Wärmebilder / Infrarotbilder einer Wärmebildkamera sichtbar gemacht (© smuki / stock.adobe.com)
Wärmeverluste am Haus werden durch derartige Wärmebilder / Infrarotbilder einer Wärmebildkamera sichtbar gemacht (© smuki / stock.adobe.com)

Vorteile der Leckortung durch Thermogramme

Auf diese Weise ermöglicht eine Thermografiekamera, Wärme-Lecks und Temperaturunterschiede anhand der Wärmestrahlung exakt zu orten. Dies bietet den Vorteil, dass im Gegensatz zu anderen Verfahren, bei denen oftmals Sonden oder Sensoren in die Wände eingebracht werden, bei der Gebäude-Thermografie kein Kontakt zur Bausubstanz notwendig ist. Die Fassade und die Wand dahinter können also bis auf Weiteres unberührt bleiben. Ebenso ist es dadurch möglich, anderweitig kaum zugängliche Anlagen wie Fußbodenheizungen detailliert abzubilden und auf Unregelmäßigkeiten zu untersuchen. Zudem können auf Infrarotbildern eine Vielzahl an Problemen frühzeitig erkannt werden, die mit bloßem Auge nur anhand ihrer Folgeschäden bemerkbar wären (siehe auch Wasserschaden Folgeschäden). Dies ermöglicht es Ihnen, durch rechtzeitige Prävention Kosten zu sparen – die Bauthermografie bezahlt sich somit fast von selbst.

Eine thermografische Untersuchung von Gebäuden macht allerdings allgemein nur Sinn, wenn ein hinreichender Temperaturunterschied zwischen dem Innen- und Außenbereich des Gebäudes besteht. Ist dies nicht der Fall, kann eine Wärmebildkamera unter Umständen keine brauchbaren Aufnahmen machen. Das Haus sollte daher auf eine Temperatur von etwa 21 °C beheizt werden, während die Außentemperatur maximal 5 °C betragen darf. Um eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Innenbereich zu gewährleisten, sollten sämtliche Zimmertüren geöffnet und Fenster und Außentüren geschlossen werden. Die Rollladen sollten ebenfalls offen bleiben, um die Messung nicht zu verfälschen.

Bauthermografie / Gebäudethermografie | Wärmebildkameras lassen sich im Zuge der Leckortung auch dafür nutzen, undichte Stellen in Fußbodenheizungen u.ä. zu finden. (© Dario Sabljak / stock.adobe.com)
Bauthermografie: Wärmebildkameras lassen sich im Zuge der Leckortung auch dafür nutzen, undichte Stellen in Fußbodenheizungen u.ä. zu finden. (© Dario Sabljak / stock.adobe.com)

Wann ist eine Thermografie am Gebäude sinnvoll?

Gebäude-Thermografie ist immer dann anzuraten, wenn der Verbrauch an Heizmitteln und die damit verbundenen Kosten auffällig hoch sind. In diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass durch Schwachstellen in der Isolierung Wärme verloren geht. Oft gehen mit Wärme-Lecks zudem nasse Wände einher. Zeichnen diese sich bereits durch abpellende oder feuchte Tapeten ab, sollte unbedingt eine thermografische Untersuchung erfolgen, um die Ursachen abzuklären (Leckorter).

Steht ein Hausverkauf bevor, ist ein aktuelles Energiegutachten sogar zwingend erforderlich, um einen Energieausweis zu erhalten. Dieser gibt Aufschluss darüber, mit welchem Energieverbrauch bei einem Gebäude zu rechnen ist. Zu diesem Zweck verwenden Sachverständige ebenfalls Thermografiekameras, um den energetischen Zustand des Gebäudes festzustellen. Ebenso ist beim Neubau ein Energiegutachten erforderlich, um die korrekte Ausführung baulicher Maßnahmen zur Energieersparnis zu gewährleisten.

Jedoch ist ein Energiegutachten inklusive einer Prüfung Ihres Hauses durch Gebäude-Thermografie auch im Rahmen der Energieberatung ratsam: Durch eine fachgerecht ausgeführte Energiesanierung eines älteren Gebäudes können im Winter Kosten eingespart werden, da weniger geheizt werden muss. Thermogramme helfen dem Gutachter dabei, Wärme-Lecks zu erkennen (vgl. Sachverständiger für Schäden an Gebäuden) und fundierte Empfehlungen zur Sanierung zu liefern. Sollten Sie in absehbarer Zukunft einen Verkauf beabsichtigen oder an einer Energiesanierung interessiert sein, empfehlen wir Ihnen gerne qualifizierte Gutachter, die Sie kompetent beraten und bei Bedarf Energieausweise ausstellen.

Gebäudethermografie als Grundlage für Energiegutachten vom Fachmann

Durchgeführt wird die Gebäude-Thermografie entweder von einem Baugutachter (siehe auch: Was kostet ein Baugutachten?) oder einem spezialisierten Energieberater. Da die Qualifikation nicht einheitlich geregelt ist, bestehen zwischen einzelnen Dienstleistern allerdings teils erhebliche Unterschiede in der Qualität der Auswertung. Zwar haben Hausbesitzer im Fall eines fehlerhaften Energieausweises Anspruch auf Nachbesserung, jedoch sind Fehler dem Laien nicht unmittelbar ersichtlich. Zudem ist ein solcher Anspruch bei einer einfachen Energieberatung, für die kein Energieausweis ausgestellt wird, oft schwer durchzusetzen. Abhilfe schafft unter anderem die Expertenliste der deutschen Energieagentur (dena), die Experten für Bundesförderprogramme vermittelt. Auch wir unterstützen Sie gerne bei der Wahl eines geeigneten Energieberaters und weiteren Fragen zur Gebäudethermografie – gerade auch im Kontext von Schäden und Versicherungsfällen wie etwa Feuchte- und Wasserschäden.

Gebäude Thermografie | Wärmebildkamera, Thermografiekamera (© smuki / stock.adobe.com)
Gebäude Thermografie | Wärmebildkamera, Thermografiekamera (© smuki / stock.adobe.com)

Kosten und Förderung für Gebäude-Thermografie

Die Kosten für eine thermografische Untersuchung Ihres Gebäudes unterliegen ebenfalls starken Schwankungen: Obwohl Billig-Anbieter mit Angeboten ab etwa 100 € locken, beinhalten diese meist lediglich wenige Aufnahmen mit einer Thermografiekamera ohne weitere Auswertung. Ein kompetenter Gutachter hingegen nimmt sich die Zeit, mehrere Wärmebilder aus verschiedenen Winkeln des Innen- und Außenbereichs aufzunehmen und bietet in Verbindung mit der Gebäudethermografie eine umfangreiche Auswertung und Beratung an. Deshalb ist dazu zu raten, die Untersuchung mit einer vollständigen Energieberatung zu koppeln – auch wenn die Kosten dafür mit etwa 400 bis 600 € wesentlich höher ausfallen.

Im Rahmen einer Energieberatung ist die Gebäudethermografie zudem förderfähig und steuerlich absetzbar, da sie Auskunft über Wärme-Lecks verschafft und so bei der Planung von Maßnahmen zur Energiesanierung unterstützt. Sowohl die KfW-Bank und die Landesförderbanken als auch das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bieten entsprechende Zuschüsse für Hausbesitzer. Während die BAFA-Fördergelder direkt an den beauftragten Energieberater gehen und so die von Ihnen getragenen Kosten senken, handelt es sich bei den Zuschüssen der Förderbanken allerdings um eine Erstattung: Um diese zu erhalten, müssen Sie nach abgeschlossener Beratung den vom Sachverständigen erstellten Energiebericht einreichen. Daher ist es wichtig, auf eine Vor-Ort-Begehung und den Einsatz von Gebäudethermografie zu bestehen, wenn eine Energieberatung erfolgen soll.

Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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