Druckprüfung zur Leckbestimmung bei Wasserschäden

Die Druckprüfung ist ein Verfahren, um die Dichtigkeit von Leitungen im Haus zu prüfen und ggf. vorhandene Leckagen festzustellen und örtlich einzugrenzen. Wie informieren über die Hintergründe.

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Leckbestimmung an Rohrleitungen / Wasserleitung durch Druckprüfung

Nasse Wände und Wasserschäden sind immer ein großes Ärgernis für Hausbesitzer: Nicht nur hinterlassen sie unschöne Wasserflecken auf den Tapeten / an der Wand, auch Schimmel kann sich bilden. Kommt das Wasser aus einer undichten Stelle einer Wasserleitung, sind die Folgen möglicherweise noch schlimmer. So kann es, wenn Leitungen undicht sind, zusätzlich zu den Wasserschäden dazu kommen, dass Bakterien und Teile der Bausubstanz in Rohre eindringen und das Trinkwasser verunreinigen. Um dies zu vermeiden oder im Ernstfall Klarheit über die Ursache zu erhalten, ist eine Dichtheitsprüfung der Leitungen dringend erforderlich. Die Druckprüfung hilft Ihnen bei der Suche nach Lecks in den Rohrleitungen und kann so innerhalb kurzer Zeit entweder Entwarnung oder Anhaltspunkte für weitere Schritte geben.

Druckprüfung der Dichtigkeit der Heizungsanlage - gibt es irgendwo Druckabfall als Hinweis auf ein Leck? (© anatoliy_gleb / stock.adobe.com)
Druckprüfung der Dichtigkeit der Heizungsanlage – gibt es irgendwo Druckabfall als Hinweis auf ein Leck? (© anatoliy_gleb / stock.adobe.com)

Die Druckprüfung – Ablauf, Technik und Auswertung

Bei der Druckprüfung, gemeinhin auch als „Abdrücken“ oder „Druckprobe“ bekannt, handelt es sich um ein Verfahren zur Dichtheitsprüfung und Leckbestimmung von Leitungen mittels Prüfdruck. Indem Wasser oder Luft in das Leitungssystem gepresst wird, können Leckagen anhand des Druckverhaltens festgestellt werden. Dazu wird ein geeichtes Manometer mit einer Fehlertoleranz von weniger als 0,1 bar an das geschlossene System angeschlossen und beobachtet, ob mit der Zeit ein Druckverlust entsteht.

Auf diese Weise kann der Experte einerseits überprüfen, ob die Leitung dicht ist, und andererseits Aussagen darüber treffen, an welchem Rohrstrang des Leitungssystems eine Leckage vorliegt. Diese Eingrenzung erleichtert es dem Installateur später, die Leckage zu finden, und verringert so die zur Behebung notwendige Beschädigung des Gebäudes (vgl. auch Leck in Wasserleitung finden, Rohrbruch orten: Suchgerät).

Während der gesamten Messung ist außerdem ein detailliertes Protokoll über das Druckverhalten der Leitung und eventuelle Auffälligkeiten zu führen, das danach ausgewertet wird. Dieses liefert eine rechtlich belastbare Dokumentation, die den Zustand der Rohrleitung gegenüber den zuständigen Verantwortlichen und im Schadensfall gegenüber der Gebäudeversicherung nachweist.

Die Druckprüfung ist generell an allen druckführenden Rohrleitungen möglich und sinnvoll: Sowohl an Leitungen für Trinkwasser als auch an Heizungsrohren kann eine Druckprüfung durchgeführt werden, wenn ein Verdacht auf Lecks besteht. Wurden neue Leitungen installiert, ist eine Dichtheitsprüfung sogar Pflicht. Ebenfalls müssen Abwasserleitungen laut Gesetz alle 20 Jahre auf Dichtheit überprüft werden, um Grundwasserschäden zu vermeiden. Das Prüfverfahren unterscheidet sich dabei je nach Art der Leitung nur minimal; so muss bei einer Abwasserleitung beispielsweise vor der Druckprüfung eine Reinigung durchgeführt werden.

Aufgrund der Temperaturempfindlichkeit kann die Dichtheitsprüfung durch Abdrücken allerdings nur an einem System bei Raumtemperatur durchgeführt werden. Liegt die Temperatur in den Rohrleitungen unter oder über der Umgebungstemperatur, verfälscht dies das Messergebnis bis hin zur Unbrauchbarkeit. Auch muss das Leitungssystem für die Messung komplett in sich geschlossen sein: Weder darf Wasser an Wasserhähnen oder Spülkästen austreten, noch dürfen Druckausgleichsprozesse die Messung beeinflussen.

Druckprüfung von Leitungen und Rohren, Wasserleitung (© Funtay / stock.adobe.com)
Druckprüfung von Leitungen und Rohren (© Funtay / stock.adobe.com)

Variationen des Prüfverfahrens

Die Dichtheitsprüfung durch Abdrücken kann entweder mit Wasser oder mit einem Gas, in der Regel mit Luft oder einem inerten Gas wie Stickstoff, erfolgen. Dabei gelten jeweils unterschiedliche Vorschriften an Ablauf der Prüfung und Testdruck / Prüfdruck. So muss bei einer Druckprüfung mit Wasser der Testdruck 150 % des Nenndrucks der Leitung betragen, mindestens jedoch 15 bar. Dies soll gleichzeitig als Belastungstest für die Leitungen dienen; der höhere Druck sorgt für eine präzisere Messung, da Druckabfälle genauer zu erkennen sind. Da Wasser sich jedoch durch Wärme ausdehnt, erfolgt die Prüfung in drei Schritten: Zuerst wird eine Vorprüfung mit einem geringeren Druck von etwa 6 bar durchgeführt, in deren Rahmen Druckverluste noch erlaubt sind. Danach pumpt der Experte Wasser in die Leitungen, bis der volle Testdruck erreicht ist, und lässt sie eine halbe Stunde ruhen, sodass Verfälschungen durch thermische Ausdehnung ausgeschlossen werden können. Bei der anschließenden Hauptprüfung ist ein Druckabfall nicht mehr erlaubt. So gilt eine Leitung als dicht, wenn während der Hauptprüfung innerhalb von zehn Minuten kein Druckverlust auftritt.

Wird hingegen die Druckprüfung mit einem Gas durchgeführt, schreibt die DIN EN 806-4, die Dichtheitsprüfungen für Leitungen regelt, einen Testdruck von maximal 3 bar vor. Der geringere Testdruck ist durch die Kompressibilität von Gasen bedingt – werden sie zu stark komprimiert, dehnen sie sich beim Austritt mit großer Energie aus. Da sich in stehendem Wasser Bakterien wie die für Legionellose, die Legionärskrankheit, verantwortlichen Legionellen vermehren können, empfiehlt die DIN-Norm eine Prüfung mit Druckluft immer dann, wenn die Leitungen danach längere Zeit nicht genutzt werden sollen. Zudem soll auch dann Luft zur Prüfung verwendet werden, wenn die Leitung durch Korrosion oder die thermische Ausdehnung des Wassers geschädigt werden könnte. Der Test mit Stickstoff ist immer dann vorgesehen, wenn besondere hygienische Anforderungen erfüllt sein müssen, folgt ansonsten jedoch denselben Bedingungen wie das Prüfverfahren mit Druckluft.

Druckluft oder Wasser – welches Verfahren ist das richtige für Sie?

Da bei der Prüfung mit Wasser ein höherer Druck auftritt, sind genauere Messungen möglich; Versicherungen erachten diese deshalb als verlässlicher. Sollen nach einem Wasserschaden Ansprüche geltend gemacht werden, sollten Sie daher die Prüfung Ihrer Leitungen mit Wasser erwägen. Bei der Dichtheitsprüfung im Rahmen der Bauabnahme hingegen ist das Verfahren mit Druckluft vorzuziehen, um Bakterien keinen Nährboden in den Leitungen zu bieten. Generell sollte die Druckprüfung immer dann mit Druckluft erfolgen, wenn die Leitungen danach voraussichtlich länger als eine Woche nicht genutzt werden sollen.

Ein wesentlicher Nachteil des Prüfverfahrens mit Druckluft besteht jedoch in der Gefahr, dass sich schlecht verbaute Teile lösen. Der hohe Druck sorgt in diesem Fall dafür, dass die Teile explosionsartig beschleunigt werden und Personen und Inventar Schaden zufügen können. Bei offenliegenden Leitungen sollte die Prüfung mit Druckluft daher nur unter besonderer Vorsicht oder von einem Fachmann durchgeführt werden. Zu diesem Zweck empfehlen wir Ihnen gerne einen Experten, der Sie über das richtige Verfahren berät und die Leckageortung mit Druckluft oder Wasser sicher ausführt.

Leckageortung durch Abdrücken

Da die Druckprüfung am geschlossenen Leitungssystem durchgeführt wird, ist eine genaue Ortung des Lecks zudem ohne Sichtkontakt nicht möglich. Einen Anhaltspunkt geben jedoch Wasserschäden an den Wänden, falls diese bereits entstanden sind: In der Regel liegt das Leck oberhalb der Stelle, an der Wasser aus der Wand austritt.

Liegt die Leitung frei, ist es möglich, das Leck mit bloßem Auge oder einfachen Hilfsmitteln zu finden. So geben bei der Prüfung mit Wasser tropfende Stellen der Leitung Auskunft darüber, wo Flüssigkeit austritt. Wird die Leitung mit Gas geprüft, tragen Sie stattdessen Seifenwasser oder Leckagespray auf die Verbindungsstücke und sonstige verdächtige Stellen auf. Leckagespray ist im Baumarkt oder im Onlinehandel erhältlich und wirft Blasen, wenn ein Gas hindurchtritt. Somit ist die Blasenbildung ein Zeichen dafür, dass die Leitung an der entsprechenden Stelle undicht ist.

Druckprüfung zur Leckbestimmung bei Wasserschäden (© bildergala / stock.adobe.com)
Druckprüfung zur Leckbestimmung bei Wasserschäden (© bildergala / stock.adobe.com)

Experten für Druckprüfung

Die Leckageortung mit dem Druckverfahren wird in der Regel von spezialisierten Installateuren durchgeführt (vgl. Lecksucher Wasserleitung). Diese verfügen über die technischen Möglichkeiten, die Messung kompetent durchzuführen, und das nötige Fachwissen, um die Ergebnisse auszuwerten und weitere Maßnahmen zu empfehlen. Einige Betriebe bieten zudem alle notwendigen Maßnahmen bei Wasserschäden aus einer Hand – von der Leckbestimmung bis zur Schadensanierung. In diesem Fall ist die Dichtheitsprüfung meist ebenfalls kostengünstiger. Suchen Sie einen Installateur, der Ihre Rohrleitungen durch Abdrücken auf Lecks überprüft, kontaktieren Sie uns. Wir vermitteln Sie gerne weiter an Fachleute, die Ihnen helfen können.

Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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