Risse im Putz – beurteilen, ausbessern, reparieren

Risse im Wandputz sind in vielen Immobilien keine Seltenheit und wirken auf den ersten Blick harmlos. Doch sind sie das wirklich? Wenn ein Riss sich tief durch das Mauerwerk zieht, kann sich auch ein kleiner Sprung sehr schnell ausbreiten und durch den gesamten Putz wandern. Die Folge von Rissen im Putz: Es ist keine ausreichende Schutzwirkung mehr vorhanden. Feuchtigkeit, Wind und Nässe dringen somit relativ einfach in das Mauerwerk ein. Dennoch muss nicht immer eine komplette Sanierung durchgeführt werden. Wie Sie Risse im Putz richtig beurteilen, ausbessern und reparieren können, stellen wir Ihnen nachfolgend genauer vor.

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Risse im Innenputz – welche Ursachen haben sie?

Risse im Innenputz zeigen sich in der Regel relativ deutlich und sind von außen gut erkennbar. Die Ursache liegt meist im Putzgrund oder auch im Putz und seiner Ausführung.

Als Putzgrund bezeichnet man die Flächen, auf die man den Putz aufträgt – wie beispielsweise Beton oder das Mauerwerk. Wenn sich der Putzgrund verformt, weil sich das Mauerwerk bewegt oder der Beton sich verzieht, dann kann der Innenputz dem nicht standhalten und reißt. Risse im Mauerwerk sind dann auch in der Putzfläche als Risse im Putz innen sichtbar.

Doch auch durch die Verarbeitung von Innenputz kommt es nicht selten zu Rissen, die durch das Absacken oder Schwinden des Materials entstehen können (vgl. Schwindrisse Putz). Doch auch Fehler in der Verarbeitung und eine mangelhafte Ausführung bringt mitunter Risse im Putz mit sich.

Allgemein gilt, dass sich der Grund für Risse im Putz nicht immer auf eine einzelne Ursache rückführen lässt. Sofern es sich um überlagernde Ursachen handelt, zeigt sich oft ein untypisches Rissbild und es gestaltet sich schwieriger, den Grund zu bestimmen. Insbesondere wenn geklärt werden muss, wer für die Rissbildung verantwortlich ist, findet selbst ein Fachmann wie ein Bausachverständiger oder Gebäudegutachter nicht immer die richtige Antwort.

Risse im Putz - beurteilen, ausbessern, reparieren (© Dieter Pregizer / stock.adobe.com)
Risse im Putz – beurteilen, ausbessern, reparieren (© Dieter Pregizer / stock.adobe.com)

Die Beurteilung von Rissen in der Fassade oder im Innenputz

Beim Innenputz gelten zwei Normen, welche Informationen über gültige Toleranzen erteilen können. Diese sind die DIN EN 13914-2 sowie die DIN 18550-2. Beide geben an, dass eine gewisse Anzahl von Rissen, die nicht breiter als 2 mm sind, tolerierbar ist. Dennoch sollte ein Sachverständiger einen Blick darauf werfen, um die Lage eindeutig beurteilen zu können (siehe Riss in der Wand einschätzen). Denn ein Riss wird sowohl nach seiner Optik als auch hinsichtlich der Technik beurteilt. Beim technischen Wert geht es um die Funktionalität des Materials – also beispielsweise darum, ob der Putz nach wie vor eine ausreichende Luftdichtigkeit bietet. Die Optik spielt jedoch ebenso eine Rolle, denn es macht durchaus einen Unterschied, ob der Riss sich an einer Wand im Keller oder mitten im Wohnzimmer befindet.

Beim Putz innen muss der technische Wert auf eine andere Weise beurteilt werden als beim Außenputz. Denn dieser dient vor allem dazu, um das Gebäude vor äußeren Umwelteinflüssen zu schützen. Schlagregen könnte sonst zur Folge haben, dass Nässe ins Mauerwerk eindringt. Siehe auch: Feuchtigkeitsschäden Mauerwerk; Wasser dringt durch Mauwerwerk: Versicherung.

Wandschäden: Waagerechte Risse im Putz | Ausbessern? Sanieren? Reparieren? (© focus finder / stock.adobe.com)
Wandschäden: Waagerechte Risse im Putz | Ausbessern? Sanieren? Reparieren? (© focus finder / stock.adobe.com)

Der Innenputz bleibt dagegen von der Witterung unberührt, dennoch sorgt er für eine luftdichte Schicht auf dem Mauerwerk. Das spielt aus technischer Sicht zwar eine wichtige Rolle, allerdings hat ein Riss nur sehr selten eine undichte Hausfassade zur Folge. Darüber hinaus erfüllt der Innenputz die Funktion, Toleranzen im Mauerwerk auszugleichen, so dass eine ebene Oberfläche entsteht. Im Zuge der nächsten Renovierung lassen sich Risse im Putz innen dann auffüllen.

Wenn aber nun der Putzgrund die Ursache für die Rissbildung ist, spielt es keine Rolle, wie gut der Innenputz ausgeführt ist. Ein klar sichtbaren Riss im Mauerwerk wird er nicht überdecken können. Aus diesem Grund handelt es sich bei vielen Putzrissen nicht um Pfusch und somit auch nicht um einen Mangel am Gebäude. Anders sieht es jedoch aus, wenn es sich tatsächlich um einen Ausführungsfehler handelt, für den der Stuckateur verantwortlich ist. Dies gilt vor allem dann, wenn auf Beton oder Porenbeton keine Grundierung aufgetragen wurde.

Eine solche Rissbreite wirkt schon bedenklich... (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com
Eine solche Rissbreite wirkt schon bedenklich… (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com

Beurteilung von Rissen im Putz: So macht man es selbst

Ein wichtiger Aspekt ist es, die Breite von Rissen zu kennen – insbesondere aufgrund dessen, da Risse im Innenputz bis zu 0,2 mm im Rahmen der Toleranz liegen können. Hierfür bietet sich die Verwendung einer Rissbreitenkarte an, die zur Messung an den Riss angelegt wird.

Ehe Risse in der Wand ausgebessert werden können, gilt es zu wissen, worum es sich bei dem Schaden eigentlich handelt. Denn abhängig von der Risstiefe kommen für eine Reparatur oder Sanierung unterschiedliche Methoden in Frage. Ein oberflächlicher, sehr feiner Haarriss kann normalerweise relativ einfach zugespachtelt werden. Handelt es sich aber um einen breiteren, tieferen Riss, dann gilt es diesen zunächst aufzufüllen. Ein breiterer Riss hat oftmals nicht nur etwas mit dem Putz, sondern auch etwas mit dem Fundament eines Gebäudes zu tun (siehe auch: Setzrisse im Putz).

Riskant wird es, wenn es sich um einen dynamischen Riss handelt. Zu einem solchen kann es kommen, wenn sich das Gebäude in stetiger Bewegung befindet und sich der Putz auf diese Weise verziehen kann. Dynamische Risse verlaufen in der Regel sehr gerade und sind tendenziell eher breiter. Wird ein solcher Riss vermutet, ist es besser, sich Hilfe von einem Experten zu holen. Ansonsten ist es normalerweise kein Problem, Risse im Putz auf eigene Faust auszubessern, wenn man aus Kostengründen auf einen professionellen Handwerker verzichten will.

Risse im Putz ausbessern / auffüllen (© Firma V / stock.adobe.com)
Risse im Putz ausbessern / auffüllen (© Firma V / stock.adobe.com)

Risssanierung mit Spachtelmasse & Co. – so geht man richtig vor

Wenn äußerlich keine Risse innerhalb des Putzes zu sehen sind, so muss die Wand erst einmal auf weitere Risse untersucht werden. So lassen sich sämtliche Mängel in nur einem Aufwasch beseitigen. Das Wichtigste ist hierbei, dass es sich um einen trockenen, ebenen und tragfähigen Untergrund handelt. Sämtliche lose und abplatzende Putzreste werden am besten vollständig entfernt. Das klappt am einfachsten mit einer Stahlbürste. Danach werden die feinen Risse mit einer Quaste angefeuchtet und die Spachtelung der Wand kann beginnen.

Kleine Schäden am Innenputz lassen sich für gewöhnlich problemlos mit normaler Spachtelmasse und einem Spachtel beheben. Wir empfehlen, den Boden mit einer Plastikfolie oder Decke vor Verschmutzungen zu schützen. Als Erstes werden die Risse mit einem Malerspachtel in V-Form vergrößert. Danach muss die defekte Stelle sorgfältig gereinigt und von losen Resten befreit werden. Als Nächstes wird die Spachtelmasse in den Riss gefüllt, um das Mauerwerk zu reparieren. Vgl. auch: Risse im Beton reparieren.

Waagerechte Risse im Putz reparieren | Muss vorher ein Sachverständiger / Gutachter prüfen? (© miket / stock.adobe.com)
Waagerechte Risse im Putz reparieren | Muss vorher ein Sachverständiger / Gutachter prüfen? (© miket / stock.adobe.com)

Große Risse im Fassadenputz: Wie geht man dagegen vor?

Im Laufe der Zeit kommt es in zahlreichen Hausfassaden zu Rissen, Schäden im Putz oder auch zu abblätterndem Anstrich. Spätestens dann ist es Zeit zum Neustreichen. Wer den Außenputz an der Fassade ausbessern möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass die Reparatur auch eine optimale Dichtigkeit aufweist. Ansonsten besteht das Risiko, dass Feuchtigkeit, Kälte und Wind in das Haus eindringen – und so kann es mit der Zeit zur Entwicklung von Schimmel kommen.

Breitere Risse sollten aus diesem Grund ebenfalls zunächst v-förmig vergrößert und danach mit Acrylmasse befüllt werden. Acrylmasse ist dehnbar, so dass auch weitere Bewegungen des Mauerwerks nicht mehr zu Rissen an der gleichen Stelle führen können. Im Anschluss wird der ehemalige Riss überstrichen und die Wand kann neu verputzt werden.

Größere Löcher in Wänden füllen

Putz kann nicht nur alterungs- oder witterungsbedingt zu Schaden kommen, sondern auch durch Dübel, Schrauben oder Nägel Löcher bekommen. Doch auch diese lassen sich mit wenigen Handgriffen zuspachteln. Sofern sich noch Schrauben oder Nägel in der Wand befinden, lassen diese sich mit einer Kombizange gut herauslösen. Es ist dabei kein Problem, wenn sich dabei noch etwas mehr Putz ablöst, da die Spachtelmasse auf rauem Untergrund besser hält. Dann werden die Löcher von Dreck und Staub befreit, wobei ein Staubsauger eine große Hilfe ist. Anschließend wird genauso wie bei einem Riss im Putz vorgegangen. Wer tiefe Löcher zuspachteln möchte, sollte allerdings im Vorfeld noch einen Tiefengrund in das Loch einbringen.

Spachtelmasse: So lange muss sie trocknen

Spachtelmasse benötigt im Durchschnitt zwischen 30 Minuten und 5 Stunden, um vollständig durchzutrocknen. Abhängig von der Tiefe und Art sowie vom jeweiligen Untergrund nimmt die Trocknung mehr oder weniger Zeit in Anspruch, bis man weiter an der Wand arbeiten und diese überstreichen kann. Deshalb sollte man sich am besten genau an die Angaben des Herstellers halten, um keine Fehler zu machen.

Berücksichtigt werden muss hierbei allerdings auch die Beschaffenheit des Materials, das im Anschluss aufgetragen wird. Dabei spielt es eine große Rolle, ob das nachfolgend aufgetragene Material atmungsfähig ist. Nicht unwichtig sind außerdem äußere Einflüsse. Bei normaler Zimmertemperatur kann Spachtelmasse um einiges schneller austrocknen als bei einer kalten Wand, wie sie für Kellerräume typisch sind. Hier dauert die Trocknung noch einmal bis um die Hälfte länger.

Putzrisse | Ein Sachverständiger kann genauer einschätzen, ob es sich um Schwindrisse, Setzrisse, Sackrisse, Kerbrisse oder Schrumpfrisse handelt (© LeitnerR / stock.adobe.com)
Putzrisse | Ein Sachverständiger kann genauer einschätzen, ob es sich um Schwindrisse, Setzrisse, Sackrisse, Kerbrisse oder Schrumpfrisse handelt (© LeitnerR / stock.adobe.com)

Risse im Innenputz: So werden sie mit Acryl ausgebessert

Einige Risse entstehen an Übergängen von Bauteilen. Ist damit zu rechnen, dass sich das Mauerwerk immer wieder bewegt, empfehlen sich Fugen aus Acryl in jedem Fall. Es macht kaum Sinn, den Riss auszubessern, da er ansonsten immer wieder zurückkommen wird.

Typisch ist die Rissbildung insbesondere an Materialübergängen, wie beispielsweise dort, wo Gipsputz an Trockenbau grenzt. Auch in einer Wand können Übergänge zum Material vorkommen, welche überputzt worden sind und wo es aus diesem Grund immer wieder zur Entstehung von Rissen kommt.

Wenn zum Beispiel das Mauerwerk durch eine Stütze aus Beton unterbrochen ist, kann es hier früher oder später an der Bruchstelle zur Entwicklung von Rissen kommen. In diesem Fall ist es am besten, den Putz auseinander zu trennen. Hierfür wird am Materialübergang eine Acrylfuge gesetzt, die dann auch in die Tapete übernommen wird. Im Anschluss muss die Wand gestrichen werden. Wenn der Riss dann zurückkehrt, ist lediglich ein Erneuern der Fuge verantwortlich. Wenn die Acrylfuge breit genug ist, so kann sie viel Bewegung aushalten.

In jedem Fall ist es wichtig, Risse im Putz auszubessern, sofern diese eine kritische Breite erreichen. Geringfügige Spannungsrisse oder Haarrisse, die weniger als 0,2 mm breit sind, stellen in der Regel kein Problem dar. Komplizierter wird es dagegen bei größeren Rissen. Hier ist es im Zweifelsfall besser, zunächst einen Fachmann zu Rate zu ziehen, der sich den Schaden vor Ort selbst ansieht und danach entscheidet, welche Maßnahme die richtige für die Reparatur ist.

Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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