Riss in der Wand: Einschätzen und reparieren (lassen)

Ein Riss in der Wand wirkt oft auf den ersten Blick harmlos – doch wenn er sich bis tief ins Mauerwerk zieht, kann er durchaus zu einer Gefahr werden. Denn dadurch wird häufig die Schutzwirkung des Mauerwerks beeinträchtigt. Wind, Feuchtigkeit und Nässe können sich somit leichter ausbreiten. In vielen Fällen kommt man allerdings um eine Sanierung herum. Wie Sie Risse in der Wand richtig einschätzen und reparieren lassen können, stellen wir Ihnen nachfolgend genauer vor.

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Risstiefe und Rissart bestimmen – so gehen Sie richtig dabei vor

Ehe ein Riss in der Wand ausgebessert werden kann, muss zunächst klar sein, mit welcher Art von Riss man es zu tun hat.

Abhängig von der Risstiefe kommen für eine Reparatur unterschiedliche Methoden zum Einsatz. So kann ein oberflächlicher Haarriss, der nur sehr fein und erst bei näherem Hinsehen sichtbar ist, relativ leicht zugespachtelt werden. Ein Riss, der dagegen tiefer und breiter ist, muss dagegen normalerweise zunächst erst aufgefüllt werden. Dabei gilt als Faustregel: Risse, die breiter als 0,2 cm sind, bedürfen normalerweise keiner weiteren Handlung. Ein breiterer Riss kann allerdings nicht nur den Putz betreffen, sondern auch darauf hinweisen, dass das Fundament nicht ganz intakt ist.

Problematisch wird es allerdings erst, wenn es sich um einen dynamischen Riss handelt. Diese Art von Risse kommt dadurch zustande, wenn sich ein Gebäude fortwährend bewegt und sich der Putz aufgrund dessen zusammenzieht. Dynamische Risse verlaufen in der Regel ungewöhnlich gerade und sind breiter als andere. In so einem Fall ist es besser, sich an einen Experten zu wenden und nicht auf eigene Faust zu handeln.

Zu Spannungsrissen kommt es, wenn die Wände eines Gebäudes unter Spannung stehen. Vermeiden lassen sich solche Risse nur, indem verputzte Oberflächen voneinander getrennt werden. Darüber hinaus lassen sich die Schnittstellen der verschiedenen Bauelemente mit Abdeckleisten oder auch Schattenfugen verdecken. — Siehe auch: Balkon richtig sanieren — Klassische Spannungsrisse zeigen sich häufig an Fugen zwischen Decken und Wänden, wenn diese aus verschiedenen Bauelementen gefertigt oder auch nicht allzu fest miteinander verbunden worden sind. Dann kann es passieren, dass leichte Temperaturschwankungen in den Räumen dazu führen, dass die einzelnen Bauteile gegeneinander gedrückt werden. Anders verhält es sich, wenn handwerkliche Fehlkonstruktionen für die Spannungsrisse verantwortlich sind – dies sieht man mitunter häufiger bei Wänden, die nicht tragend sind.

Riss in der Wand reparieren (© Andrey Gonchar / stock.adobe.com)
Riss in der Wand reparieren | Spachtel an einer Innenwand (© Andrey Gonchar / stock.adobe.com)

Wie gefährlich sind Setzrisse in der Wand?

Ein Setzriss ist eine der Rissarten, die als besonders riskant gelten und auf die Setzung des Mauerwerks zurückzuführen sind. Sie zeigen sich sowohl im Innen- als auch im Außenbereich – sofern Setzrisse besonders groß sind, können sie auch statische Probleme mit sich bringen (siehe auch: Risse im Mauerwerk sanieren).

Nach dem Bau eines Gebäudes sinkt dieses für gewöhnlich mit der Zeit rund 1 bis 2 cm in den Boden ab – dies ist keine Seltenheit und normalerweise auch ungefährlich, wenn der Boden überall eine ähnliche Festigkeit aufweist. Sofern es sich allerdings um einen unregelmäßigen Baugrund handelt, kann es zu einer Schieflage des Gebäudes kommen. Die Folge dessen sind Setzrisse.

Benachbarte Gebäude, die Druck auf das eigene Haus ausüben oder auch eine veränderte Bodenbeschaffenheit können ebenfalls ein möglicher Grund für Setzrisse sein. Aus diesem Grund sollte unbedingt mit einem Experten vor der Errichtung eines Hauses geprüft werden, wie es um die Bodenbeschaffenheit steht.

Schwindrisse im Beton – wie riskant sind sie?

Kommt es zu Schwindrissen im Beton, kann dies daran liegen, dass unter Umständen beim Gießen eines Bauteils nicht genügend Zeit für die Aushärtung des Betons gegeben wurde (siehe Schwindrisse Beton). Vor allem bei neu errichteten Gebäuden sowie auch bei tragenden Bauteilen, welche gerade erst von Handwerksbetrieben produziert worden sind, sollte in jedem Fall ein Experte einen prüfenden Blick darauf werfen. Denn grundsätzlich ist es möglich, dass Wandrisse in Bauteilen aus Beton noch viele weitere Folgen haben können. So kann es bei Stahlbeton beispielsweise passieren, dass Armierungen mit Wasser in Kontakt gelangen und beginnen, zu rosten. Das bringt eine gravierende Gefahr für die gesamte Statik des Hauses mit sich. Siehe auch: Beton Risse verharzen, Feuchteschaden Mauerwerk, Kellerboden sanieren, Estrichrisse.

Bei welchen Rissen in der Wand muss gehandelt werden?

Problematisch werden Risse vor allem dann, wenn sie nicht aufhören zu wachsen. In so einem Fall sollte so schnell wie möglich gehandelt werden. Ein Sachverständiger oder Statiker weiß genau, welche Schritte eingeleitet werden müssen, damit vom Gebäude keine Gefahr für seinen Bewohner ausgeht.

Kann man sogar dabei zusehen, wie ein Riss wandert, sollte das Gebäude umgehend verlassen werden. Zwar dauert es eine Weile, bis ein Haus tatsächlich einstürzt, allerdings kann es – wenn sich der Einsturz nicht mehr verhindern lässt – dann plötzlich schnell gehen. Hierzulande ist dies aber eine absolute Ausnahme. Zwar kommt es gelegentlich zum Einsturz von Hausdächern, die auf fehlerhafte Konstruktionen zurückzuführen sind, doch auch aufgrund Schneelast oder einer defekten Entwässerung kann es zu einem Einsturz des Hausdachs kommen. Das geschieht allerdings weniger bei Privathäusern, sondern eher bei großen Industriedächern oder Hallen.

Riss in der Wand | Gefährlich? Was tun? Wie reparieren? (© Esteve / stock.adobe.com)
Riss in der Wand | Gefährlich? Was tun? Wie reparieren? (© Esteve / stock.adobe.com)

Wann muss der Vermieter bei Rissen in der Wand informiert werden?

Sofern ein Riss bereits beim Einzug in ein Haus vorhanden ist, ist es wichtig, jeden einzelnen davon zu protokollieren und am besten auch zu fotografieren. So ist es wichtig, im Übergabeprotokoll einer Wohnung sämtliche vorhandenen Risse aufzuführen. Für eine korrekte Dokumentation ist es außerdem gut, die Entwicklung der Risse ebenfalls auf Fotos festzuhalten. Wenn diese nämlich im Laufe der Zeit breiter oder länger werden oder sich auch neue Risse bilden, muss der Vermieter darüber unbedingt in Kenntnis gesetzt werden.

Schadensersatz aufgrund von Rissen in der Wand ist ebenfalls möglich, sofern es sich um einen Mangel handelt, der im Rahmen der Gewährleistungsfrist gemeldet wird (vgl. Mängelanzeige Bau). Nach der Abnahme eines neu errichteten Gebäudes gilt diese normalerweise über fünf Jahre (vgl. Mängel nach Abnahme). In diesem Zeitraum ist die Baufirma dazu verpflichtet, den Mangel zu beseitigen – und zwar auf ihre Kosten. Nachdem die Frist abgelaufen ist, kann der Bauherr allerdings keine Ansprüche auf Schadensersatz mehr stellen und bleibt in der Regel selbst auf den Kosten sitzen.

Problematisch kann dies in der Praxis allerdings dennoch werden, da oft nicht so leicht zu ermitteln ist, welches Bauunternehmen tatsächlich für die Rissbildung verantwortlich ist. Hier kann ein unabhängiger Baugutachter dabei helfen (Was kostet ein Baugutachter / Baugutachten?), das entsprechende Unternehmen zu identifizieren und auch das insgesamte Schadensausmaß zu ermitteln. Sofern sowohl der Verursacher als auch das Ausmaß feststehen, gilt es den Mangel anzuzeigen und dann um eine zügige Beseitigung zu bitten. Sofern die Baufirma den Mangel nicht innerhalb der ihr vorgegebenen und angemessenen Frist beseitigt, ist der Bauherr dazu befugt, entweder Nachzahlungen einzufordern oder auch Schadensersatz einzuklagen.

Schwindriss? Setzriss? Haarriss? - Was tun bei welcher Art von Riss an der Wand? - Was sind die Ursachen? Normale Setzungen, Baumangel, Probleme im Baugrund? (© Andrey Gonchar / stock.adobe.com)
Schwindriss? Setzriss? Haarriss? – Was tun bei welcher Art von Riss an der Wand? – Was sind die Ursachen? Normale Setzungen, Baumangel, Probleme im Baugrund? (© Andrey Gonchar / stock.adobe.com)

Riss in der Wand reparieren: Putzrisse ausbessern – so geht man selbst dabei vor

Grundsätzlich ist ein einzelner feiner Riss in der Wand innen bei einem mineralischen Putz aus rein technischer Perspektive kein größeres Problem – nicht zwingend müssen Sie einen solchen Riss in der Wand reparieren. Denn hier handelt es sich meist um einen oberflächlichen Schaden, der – wenn gewollt – auf eigene Faust beseitigt werden kann. Dafür sind nur einige handelsübliche Werkzeuge nötig, wie zum Beispiel ein Spachtel, Schleifpapier, Spachtelmasse und die entsprechende Wandfarbe zum Ausbessern. Siehe auch: Risse in der Wand innen ausbessern.

Ehe das Material aufgetragen wird, sollte oberflächlicher Schmutz wie Staub beseitigt werden. Auch bröckelnden Putz gilt es zu entfernen. Nun wird die Spachtelmasse aufgetragen und im Anschluss mit einem Spachtel glattgezogen. Nach einer ausreichenden Trocknungsphase kann der Übergang mit Schleifpapier geglättet und danach mit der Wandfarbe überstrichen werden.

Sofern sich der Riss in der Wand innen allerdings an einer Außenwand – also an der Innenseite der Außenwände – befindet oder die Beschaffenheit des Untergrunds verschieden ist, sollte darüber hinaus mit einem Armierungsgewebe im Haftgrund gearbeitet werden. Dieses wird in die Spachtelmasse eingearbeitet. Insbesondere in Bereichen, in denen die Temperaturen gelegentlich schwanken, kann das Gewebe vor weiteren Rissen schützen. Auch mit Acryl bzw. mit Acrylmasse kann mitunter gearbeitet werden. Vgl. auch: Waagerechte Risse im Putz innen.

Dynamische Risse und Setzrisse sind dagegen deutlich komplizierter zu sanieren als ein einfacher Putzriss – hier genügt ein einfaches Verspachteln der Putzschicht nicht. Dies ist eine Aufgabe, die ein Fachbetrieb übernehmen sollte, sofern man nicht über entsprechende Fachkenntnisse verfügt. Ein Bausachverständiger kann hierfür ein spezielles Sanierungskonzept entwerfen (siehe auch Sanierungsberatung).

Baupfusch und Bauschäden – so viel kostet das Reparieren von Rissen im Mauerwerk

Ein Riss in der Wand, der nicht nur in der Putzschicht einer Wand vorhanden ist, sondern auch im Putzgrund zu Schäden geführt hat, sollte in jedem Fall schnellstens behandelt werden. Hier muss ein Fachbetrieb die Ursache für den Riss finden und diese beseitigen. Eine Reparatur von Mauerrissen ist oft allerdings nur ein Teil der notwendigen Arbeiten. Das Ausbessern der Wandrisse ist aus diesem Grund oft nur ein einziger Teil der nötigen Arbeiten. Wurde die Ursache beseitigt, arbeiten Sanierungsfirmen mitunter mit Spiralanker zur Festigung des Mauerwerks.

Abhängig von der Art und Größe des Risses ist zur Sanierung unter Umständen das Aufstellen eines Gerüsts notwendig. Das verursacht natürlich genauso Kosten wie der Stundenlohn für einen Handwerker, der den Riss füllt. Ein guter Fachbetrieb macht zunächst einen unverbindlichen Kostenvoranschlag und empfiehlt geeignete Maßnahmen zur Sanierung. In einigen Fällen reicht das bloße Verspachteln mit einem Reparaturspachtel mit anschließendem Fuge streichen vollkommen aus – in anderen Fällen ist eine umfassendere Sanierung nötig. Zur Sanierung eines Risses von drei bis vier Metern Länge und einer Breite von 5 cm, muss mit einer Arbeitszeit von sechs bis acht Stunden gerechnet werden. Pro Stunde veranschlagen Fachbetriebe im Durchschnitt zwischen 70 und 90 Euro.

Grundsätzlich gilt jedoch: Es ist im Zweifelsfall immer besser, sichtbare Risse im Mauerwerk von einem Experten untersuchen zu lassen – das kann ein unabhängiger Sachverständiger, ein Statiker oder auch ein Architekt sein. So ist man auf der sicheren Seite und kann, falls nötig, entsprechende Maßnahmen einleiten, um das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Denn oft ist ein Riss nur ein optisches Problem, das keine weiteren Gefahren mit sich bringt. Alles Weitere sollte jedoch im eigenen Interesse ausgeschlossen werden.

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Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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