Spannungsrisse an Wand, Putz, Fliesen – Was tun? Wer hilft? Wer zahlt?

Spannungsrisse am und im Gebäude sind nichts Ungewöhnliches. Je nach Ausmaß und genauer Ursache sind sie mindestens unschön, im schlimmsten Fall gefährlich. Als Laie macht es ab einem bestimmten Grad Sinn, dass ein Fachmann den Fall begutachtet.

Die Bewertung des Schadens durch einen Sachverständigen ist insbesondere dann angezeigt, wenn es um die Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Baufirma geht (Gewährleistung, Schadensersatz wegen Baupfusch), oder die Angelegenheit einen Versicherungsfall darstellen könnte.

So oder so gut zu wissen: Die Deutsche Schadenshilfe kann Sie unterstützen. Nutzen Sie unser Experten-Netzwerk aus Fachanwälten für Baurecht und Versicherungsrecht, Sanierungsprofis sowie Sachverständigen.

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Was sind Spannungsrisse? Und wie kann / muss ich dagegen vorgehen?

An fast jedem Haus nagt irgendwann der Zahn der Zeit. Das zeigt sich nicht selten in Form von unschönen Rissen im Mauerwerk. Aber sind sie wirklich immer gefährlich?

Als Laie ist es oft schwer, im Putz, den Fliesen oder dem Mauerwerk die bedenklichen von den unbedenklichen Rissen zu unterscheiden.

Wir möchten Ihnen im folgenden Beitrag einen kleinen Überblick geben, was im Falle des Falles zu tun ist und stehen Ihnen mit einem großen Team aus Fachleuten zur Seite.

Besonderheiten von Spannungsrissen

Im ersten Augenblick unterscheidet der „Spanungsriss“ sich nicht wesentlich von anderen Rissen. Aber es gibt durchaus eine Besonderheit. Denn ein Spannungsriss entsteht nicht durch eine äußere Krafteinwirkung, sondern durch (wie der Name schon sagt) Spannungen im Material selbst.

Die Gründe für Spannungsrissbildung dafür sind häufig große Temperaturunterschiede. Fast alle Materialien dehnen sich im warmen Zustand aus und ziehen sich bei Kälte wieder zusammen. Wenn sich dabei aber nur einige Stellen oder Gewerke erhitzen, findet auch die Ausdehnung / Spannung nur partiell statt. Das Material kann diese großen Spannungen häufig nicht aufnehmen, was zu einem Riss führt.

Haarriss, Schwindriss oder Spannungsriss in der Wand? Art, Ursache und Ausmaß des Schadens kann oft nur von einem Sachverständigen eingeschätzt werden. Wir vermitteln entsprechende Gutachter. (© Lost_in_the_Midwest / stock.adobe.com)
Haarriss, Schwindriss oder Spannungsriss in der Wand? Art, Ursache und Ausmaß des Schadens kann oft nur von einem Sachverständigen eingeschätzt werden. Wir vermitteln entsprechende Gutachter. (© Lost_in_the_Midwest / stock.adobe.com)

Was sind Setzrisse?

Unter einem Setzriss versteht man (im Gegensatz zur Spannungsrissbildung durch Temperaturunterschiede) Beschädigungen, die mit einer Absenkung des Erdreichs zu tun haben. Meistens können die verschiedenen Materialien diesen Bewegungen nicht standhalten und es entstehen sehr hohe Kräfte. Sind diese größer als die Aufnahmefähigkeit, entstehen Setzrisse.

Wie gefährlich sind Risse in der Wand?

Eine Rissbildung in der Wand ist nicht unbedingt gefährlich. In vielen Fällen handelt es sich dabei eher um ein kosmetisches Problem, das lediglich die oberste Schicht betrifft. Das darunterliegende Mauerwerk muss nicht zwingend betroffen sein. Aber wie soll man das als Laie beurteilen können? So viel sei gesagt: Sie können es versuchen, aber besser beraten sind Sie mit einem Fachmann, der die Situation vor Ort begutachtet.

Auch oberflächlich erscheinende Spannungsrisse sollten schnellstmöglich beseitigt werden. Denn das optische Problem kann früher oder später zu einer teuren Angelegenheit werden. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn nach der Rissbildung Feuchtigkeit ins Innere gelangt (siehe auch Spannungsrisskorrosion). Eine nasse Wand bildet oft Schimmel aus, der für die Bewohner gesundheitsschädliche Folgen haben kann.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Spannungsrisse dynamisch sind. Das heißt, wenn sich die Größe mit der Zeit verändert. Ein größer werdender Spannungsriss ist meistens ein Indiz dafür, dass sich das Gebäude selbst bewegt. Was so dramatisch klingt, muss aber nicht unbedingt etwas Dramatisches bedeuten. Denn nicht nur Holz „arbeitet“ im Laufe der Zeit; auch andere Materialien verändern mitunter ihre Passformen ein wenig.

Dynamische Putzrisse befinden sich übrigens meistens dort, wo verschiedene Gewerke aufeinander treffen. Dabei sind die Risse im Putz meistens verhältnismäßig tief und daher auch recht auffällig.

Wenn Sie solche Risse im Putz bemerken, empfehlen wir Ihnen einen Experten aus unserer Datenbank. Er kann den Zustand des Mauerwerks beurteilen und Ihnen wertvolle Tipps zur Sanierung geben.

Ob Spannungsrisse im Putz, Setzrisse im Mauerwerk oder Schwindrisse im Beton: Können Frost und Feuchtigkeit angreifen, müssen Sie etwas unternehmen! - Gern vermitteln wir Sanierungsprofis und Sachverständige dafür. (© Fotoschlick / stock.adobe.com)
Ob Spannungsrisse im Putz, Setzrisse im Mauerwerk oder Schwindrisse im Beton: Können Frost und Feuchtigkeit angreifen, müssen Sie etwas unternehmen! – Gern vermitteln wir Sanierungsprofis und Sachverständige dafür. (© Fotoschlick / stock.adobe.com)

Was können Sie gegen Spannungsrisse im Mauerwerk tun?

Die gute Nachricht zuerst: Kleine und oberflächliche Risse können Sie selbst überdecken oder verfüllen. Der Fachhandel bietet dafür eine große Auswahl spezieller Stoffe an (siehe: Setzrisse ausbessern). Das Problem: Wenn das Gebäude arbeitet und die Putzrisse dynamisch sind, kann die herkömmliche Spachtelmasse nicht mehr viel bewirken. Dann hilft nur noch ein elastisches Verschließen. Dieses Prozedere ist für einen Laien machbar, aber nicht unbedingt erforderlich, da es einige Vorkenntnisse erfordert. Der Mauerriss muss exakt vermessen werden, dann wird der Riss gleichmäßig verbreitert, das Fugenprofil eingesetzt und anschließend kann die Fuge abgedichtet werden (vgl.: Risse im Mauerwerk reparieren). Dazu braucht es in der Regel spezielles Werkzeug, das nur die wenigsten „Bastler“ zuhause haben. Unsere Handwerker hingegen sind bestens ausgerüstet und helfen Ihnen gern weiter. Möchten Sie dennoch selbst in Werkzeug investieren, lohnt sich die Anschaffung eines sogenannten Rissmessers. Damit können Sie selbst die Größe der Spalten im Auge behalten.

Daneben gibt es noch die sogenannten Sackrisse im Mauerwerk. Sie entstehen, wenn der Mörtel zu dick aufgetragen wurde. Am besten wenden Sie sich damit direkt an einen Fachmann, damit der Schaden beseitigt werden kann.

Wie können Sie Risse in der Innenwand ausbessern / reparieren?

Bei Rissen an der Innenwand geht es in erster Linie darum, sie möglichst schnell wieder zu verschließen, bevor der Schaden größer wird. Das geschieht in der Regel wie folgt:

  • Der Schaden muss für die weitere Behandlung zunächst gut vorbereitet werden. Gerade Haarrisse kann man ansonsten nur sehr schwer befüllen, da sie sehr schmal sind. Aus diesem Grund muss zunächst die Rissbreite vergrößert werden.
  • Anschließend lassen sich die Risse relativ einfach mit Putzgrund oder je nach Untergrund auch mit Spachtelmasse befüllen.
  • Nach der Trocknung können Sie dann anstreichen oder tapezieren.
Löcher und Risse in einer Wand werden mit Füllmaterial oder Gips zugespachtelt - aber ist die Ursache geklärt?! (© M. Dörr & M. Frommherz / stock.adobe.com)
Löcher und Risse in einer Wand werden mit Füllmaterial oder Gips zugespachtelt – aber ist die Ursache geklärt?! (© M. Dörr & M. Frommherz / stock.adobe.com)

Auch wenn sich Risse an der Innenwand relativ einfach ausbessern lassen, sollte immer auch nach der Ursache geforscht werden. Das gilt auch für Haarrisse. Ansonsten können sich die Schäden schon sehr bald wieder zeigen.

Häufig liegt die Ursache am falschen Untergrund. Wird der Innenputz auf das falsche Material aufgetragen, können die Bewegungen im Untergrund früher oder später zu unschönen Rissen führen (siehe auch: Risse Innenputz Toleranzen).

Aber auch bei der Verarbeitung kann viel schief gehen. Ein besonders häufig auftretender Mangel sind Schwindrisse. Aber auch absackende Wände kommen durchaus vor.

Die Ursachen für Risse in der Wand können auch ganz unterschiedlicher Natur sein. Nicht immer gibt es nur die eine Ursache. Für einen Laien ist das allerdings kaum überschaubar, weil es in diesen Fällen oft um die Fragestellung geht, wer für die Schäden aufkommt.

Da lohnt sich ein Bausachverständiger, der ganz genau weiß, welche Normen einzuhalten sind.

Was tun bei Spannungsrissen in Fliesen?

In der Regel gehen Fliesen nicht besonders schnell kaputt ohne äußere Krafteinwirkung oder falsches Verlegen. Dabei handelt es sich zunächst nur um ein rein optisches Problem, denn die Feuchtigkeit dringt im Gegensatz zur Bodenfliese kaum so ein, dass sie den Untergrund beschädigen könnte.

Manchmal stört ein solcher Makel das Gesamtbild trotzdem erheblich. Wenn dem so ist, können Sie die Fliesen entweder reparieren oder komplett austauschen. Dabei müssen Sie nur den richtigen Farbton treffen.

Es ist relativ einfach, Schäden an Fliesen selbst zu reparieren. Sie können sich dazu im Fachhandel spezielle Fugenmasse oder Kleber kaufen und den Riss damit auffüllen. Der Nachteil ist, dass die Farbe meisten von der ursprünglichen Fliesenfarbe abweicht.

Wenn Sie das zu sehr stört, lohnt sich ein kompletter Austausch. Das ist allerdings nicht ganz so einfach und sollte im besten Fall von einem Fachmann durchgeführt werden. Dazu muss die Fliese nämlich zunächst vorsichtig von der Wand gestemmt werden. Bevor der neue Kleber aufgetragen werden kann, muss der Untergrund von Resten befreit werden. Das Problem an dieser Methode ist, dass Sie eigentlich nur ein schönes Ergebnis erzielen, wenn Sie die gleichen Fliesen verwenden wie vorher. Wenn diese aber nicht mehr erhältlich sind, stehen Sie vor einem Problem. Dann hilft nur noch, die Fliese zu reparieren.

Spannungsrisse in Fliesen reparieren | Wie am besten vorgehen? (© ArTo / stock.adobe.com)
Spannungsrisse in Fliesen reparieren | Wie am besten vorgehen? (© ArTo / stock.adobe.com)

Was sind die Ursachen für Risse im Estrich und wie behebt man sie?

Wenn der Baugrund beschädigt ist, kann das fatale Spätfolgen nach sich ziehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nur um feinste Haarrisse, oder große Trennrisse handelt. Es ist auf jeden Fall wichtig, die Ursache möglichst schnell herauszufinden. Erfahrene Leute wie Bausachverständige sollten die Lage beurteilen können. Denn die Gründe für einen beschädigten Estrich sind für einen Laien häufig nicht sofort ersichtlich:

  • Es kann bereits beim Abbinden oder Aushärten des Estrichs durch dessen Wasserabgabe zu Problemen kommen. Die Folge sind sogenannte Schwindrisse.
  • Wenn der Estrich nicht fachgerecht verarbeitet wurde, können sich Hohlräume im Material bilden. Sie drücken das Material nach oben und führen zu Beschädigungen.
  • Es kann auch zu Rissen kommen, wenn die Schicht zu dünn aufgetragen wurde. Dann kann der Estrich den weiteren Belastungen kaum dauerhaft standhalten.
  • Risse entstehen auch, wenn Schwindfugen nicht mit eingeplant wurden oder das Mischungsverhältnis generell nicht stimmt.
  • Außerdem darf ein Estrich nicht zu früh oder zu stark belastet werden. (Vgl. auch: CM-Messung Estrich)

Es gibt natürlich noch viele weitere Ursachen, die zu Problemen mit dem Estrich führen können. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie unseren Experten vertrauen.

Die Reparatur von Estrich erfordert durchaus Vorwissen (vgl. Risse im Beton abdichten). Außerdem sollte neben dem passenden Werkzeug auch das richtige Material vorhanden sein. Wenn Sie die Schäden trotzdem selbst reparieren wollen, ist das Auffüllen mit Gießharz in Verbindung mit Estrichklammern noch immer die sicherste Variante (vgl. auch: Estrich Risse verharzen). Allerdings erfordert das durchaus handwerkliches Geschick.

Meistens empfiehlt es sich nicht, diese Arbeiten selbst durchzuführen. Besonders dann nicht, wenn die Gewährleistungspflicht des Bauunternehmers noch nicht abgelaufen ist. Anders als bei Rissen im Putz hat eine beschädigte Bodenplatte häufig Spätfolgen im Gepäck, die nicht selten die ganze Statik negativ beeinflussen.

Wer zahlt bei Schäden an Wand, Putz und Fliesen?

Dabei ist es entscheidend, um welche Art von Schäden es sich handelt. Sind die Risse nur oberflächlich, oder reichen sie bereits in das darunterliegende Mauerwerk hinein? Falls das so ist, sollte unbedingt auch ein Sachverständiger mit eingeschaltet werden.

Generell unterscheidet man zwischen konstruktiven, dynamischen und statischen Schäden. Je nach Art und Ausprägung wird jeweils eine andere Methode zu deren Behebung ausgewählt (vgl. auch: Riss in der Wand reparieren). So können kleinere Spannungsrisse häufig schon mit einfachen Werkzeugen vom Fachmann behoben werden. Das ist natürlich deutlich teurer, als den Schaden in Eigenregie zu beseitigen. Das gilt auch für die Sanierung feinster Haarrisse, die für einen Laien zunächst oft sehr harmlos wirken.

Je nach Alter Ihres Hauses kann sich der Kontakt zum Bauunternehmen noch lohnen. Denn nicht selten handelt es sich um falsch ausgeführte Gewerke, die später Probleme machen. Ein seriöser Betrieb wird sich den Schaden zumindest vor Ort ansehen und einen Lösungsansatz präsentieren.

Gerade frisch gebackene Hauseigentümer scheuen vielleicht den Rechtsstreit mit dem Bauunternehmer. Dabei handelt es sich bei Pfusch am Bau keineswegs um eine Bagatelle, denn die Spätfolgen können zum Teil sogar Existenzen bedrohen. Falls Sie den Rechtsstreit allein scheuen, stellen wir Ihnen gern einen unserer Anwälte für Baurecht an die Seite.

Es ist nicht immer von Anfang an klar, wer für den Schaden aufkommt. Häufig ist es etwas knifflig für den Hausbesitzer, die Beweispflicht anzutreten. Denn die ist notwendig, um einen evtl. Baupfusch beim Bauunternehmer geltend zu machen. Der Gang zum Anwalt ist in solchen Fällen meistens unumgänglich.

Spannungsrisse an Wand, Putz, Fliesen – Wir unterstützen Sie!

Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf, wenn Sie Hilfe benötigen. Wir melden uns umgehend für ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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