Setzrisse (Setzungsrisse) in Putz & Mauerwerk ausbessern und reparieren

Es steht außer Frage, dass Risse im Putz für viele Menschen ärgerlich sind – und gleichzeitig auch etwas beunruhigend sein können. Doch woher weiß man, ob es sich um gefährliche Risse handelt? Was sind „normale“ Setzrisse / Setzungsrisse? Kann und soll man diese Schäden ausbessern, und wie macht man bzw. wer macht das?

Alles Wichtige stellen wir Ihnen nachfolgend genauer vor. Und gut zu wissen: Die Deutsche Schadenshilfe unterstützt Sie bei Schäden am Gebäude (Brandschäden, Wasserschäden, Bauschäden / Baumängel).

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Setzungsrisse und andere Risse im Putz – was sind Setzrisse und wie entstehen sie?

Die meisten Menschen denken zunächst an Baupfusch, wenn sie in ihrem Neubau wenige Monate nach dem Einzug Risse im Putz entdecken. Doch dabei muss es sich nicht zwingend um bauliche Mängel oder Fehler handeln, da Risse im Putz oft etwas ganz Normales und nicht verhinderbar sind. Aus diesem Grund gibt es auch keine spezielle Ursache für Risse in der Wand – vielmehr hängt die Entwicklung der Risse von unterschiedlichen Faktoren ab.

Eine große Rolle spielt hierbei unter anderem die Beschaffenheit des Bodens. So zeigen insbesondere Gebäude, welche auf sandigen oder kiesreichen Böden errichtet worden sind, oft schon nach wenigen Monaten Risse – da der Boden nachgibt. Wenn der Untergrund dagegen aus Ton oder Lehm besteht, kann es einige Jahrzehnte dauern, bis sich erstmals Setzrisse im Putz zeigen. Das bedeutet, dass das Haus um wenige Millimeter absinkt – und diese reichen dann schon aus, um zur Folge zu haben, dass sich feinste Haarrisse entwickeln.

Doch es gibt noch weitere mögliche Ursachen: So entstehen Risse im Putz mitunter an Stellen, wo verschiedene Baustoffe zum Einsatz gekommen sind. So manche Zimmerdecke biegt sich mit der Zeit durch. Auch Temperaturschwankungen in Räumen oder Veränderungen der Luftfeuchtigkeit führen nicht selten zu Bewegungen innerhalb des Mauerwerks – die Folge sind Risse. Deshalb ist es wichtig, den Grund für Setzungsrisse oder andere Rissarten im Putz immer herauszufinden – und dazu bedarf es die Hilfe eines Experten.

Wann sind Risse im Mauerwerk Baupfusch, wann "normale" Setzrisse / Setzungsrisse? (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com)
Wann sind Risse im Mauerwerk Baupfusch, wann „normale“ Setzrisse / Setzungsrisse? (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com)

Welche Arten von Wandrissen im Putz gibt es?

Eine große Rolle spielt, Risse im Putz zwischen gefährlichen und ungefährlichen Arten zu unterscheiden. Grundsätzlich sollten Wandrisse, die mehr als 0,2 mm breit sind, genauer betrachtet werden – vgl.: Riss in der Wand: Was tun?. Ein kleinerer Spalt ist in der Regel maximal ein optischer Makel, der für die Statik eines Gebäudes keinerlei Beeinträchtigung oder Gefahr darstellt.

Die Abgrenzung der verschiedenen Rissarten erfolgt normalerweise in drei Arten.

  1. So gibt es einerseits putzgrundbedingte Wandrisse, welche daher kommen, dass sich das Mauerwerk absinkt. Diese werden auch als Setzungsrisse bezeichnet und erfordern in der Regel eine genauere Untersuchung.
  2. Putzbedingte Risse sind dagegen Schwindrisse (vgl. Schwindrisse Putz) oder Spannungsrisse (vgl. Spannungsrisse Putz).
  3. Darüber hinaus gibt es noch Fugen- und Kerbrisse – deren Ursachen können sich überschneiden und gemeinsam zur Entstehung von Rissen beitragen.

Ein putzgrundbedingter Riss, zu dem auch der Setzriss gehört, kommt vom Absinken des Mauerwerks. Nicht selten ist dies bereits nach wenigen Monaten der Fall, manchmal allerdings auch erst nach einigen Jahren. Infolge einer Komprimierung des Bodens wird das Wasser aus dem Erdreich herausgepresst. Das geht bei Kies und Sand relativ schnell, bei Lehm und Ton dagegen nur sehr langsam. Wenn dieser Vorgang gleichmäßig abläuft, besteht kein Risiko für das Gebäude. Wenn sich im Boden jedoch Unregelmäßigkeiten befinden – wie beispielsweise ein Gefälle – dann kann es sein, dass die Absenkung zu einer Schieflage führt, welche auch das Gebäude beeinträchtigt.

Selbst ein Neubau auf dem benachbarten Grundstück kann zu Rissen am eigenen Haus führen, da sich der Druck im Boden verändert und dieser sich als Folge dessen absenkt. Putzgrundbedingte Risse sollten in jedem Fall von einem Fachmann analysiert werden.

  • Setzungsrisse treten für gewöhnlich schräg verlaufend auf und kommen sowohl innen als auch außen vor.
  • Spannungsrisse entstehen dagegen an Stellen wo unterschiedliche Baustoffarten aufeinander treffen. Ein gutes Beispiel hierfür stellen Fugen zwischen Zimmerdecke und Wand dar. Hier sind die Baumaterialien nur in Ausnahmefällen statisch miteinander verbunden – somit bewegen sich die Materialien auch nach dem Bau noch weiter. Der Grund dafür können unter anderem thermische Einflüsse sein. Bei einer Dachschräge ist es außerdem möglich, dass der Einfluss von Wind die Position der Baustoffe geringfügig verändert und es somit zu Rissen kommt.
  • Schwindrisse treten häufig nach dem Auftragen von Putz auf und zeichnen sich durch eine netzförmige Struktur auf. Sie können beispielsweise entstehen, wenn Putz nach dem Auftragen zu schnell trocknet. Häufig geschieht dies an sonnenreichen, nach Süden ausgerichteten Hausfassaden.
Setzrisse / Setzungsrisse (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com)
Setzrisse / Setzungsrisse? (© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com)

Wann wird ein Setzriss gefährlich – und worauf gilt es zu achten?

Während Schwindrisse und Spannungsrisse in den meisten Fällen kein statisches Risiko für ein Gebäude darstellen, weil sie nur oberflächlich vorhanden sind und den Putz optisch beeinträchtigen, muss bei Setzungsrissen bzw. putzgrundbedingten Schäden genauer hingesehen werden.

Ein Haarriss, der weniger als 0,2 mm breit ist, muss nicht weiter beachtet werden. Bei größeren Wandrissen sollte aber beobachtet werden, ob sich der Riss noch weiter ausbreitet und wie tief sich dieser ins Mauerwerk zieht. Dann sollte der Riss in jedem Fall genau dokumentiert werden, was ein Statiker übernehmen kann. Eine exakte Messung der Tiefe kann dieser ebenfalls durchführen. Alternativ bieten auch Bausachverständige entsprechende Unterstützung. Siehe auch: Sachverständigen finden, Bausachverständige finden, Sachverständiger / Gutachter für Bauwesen, Fachanwalt für Bau und Architektenrecht.

Setzrisse Neubau | Der Riss wurde mit einer Gipsmarke versehen, um zu prüfen, ob sich der Spalt vergrößert. (© embeki / stock.adobe.com)
Setzrisse im Neubau | Der Riss wurde mit einer Gipsmarke versehen, um zu prüfen, ob sich der Spalt vergrößert. (© embeki / stock.adobe.com)

Wie lassen sich Setzrisse und andere Schäden im Mauerwerk von Neubauten verhindern – und wieviel ist normal?

Nicht alle der verschiedenen Rissarten können mit der richtigen Prävention vermeiden werden. Setzungsrisse können in vielen Fällen durch ein Gutachten des Baugrunds verhindert werden, da bei diesem sowohl die Beschaffenheit als auch dessen Beständigkeit analysiert wird. Etwaige Unregelmäßigkeiten im Boden können allerdings nicht immer ermittelt werden – so dass es keine absolute Garantie gibt, dass es in Zukunft auch wirklich nicht zur Bildung von Wandrissen kommt.

Spannungsrisse können verhindert werden, wenn der Putz an verschiedenen Elementen getrennt wird. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, den Putz von Decke und Wand beispielsweise durch Spannungsfugen oder Abdeckleisten voneinander zu trennen. Das Resultat ist, dass die Elemente nicht in gegensätzliche Richtungen arbeiten und man so auch im Putz nichts davon sehen kann.

Schwindrisse sind keine Seltenheit in Gebäuden und können selbst dann entstehen, wenn Baufirmen sorgfältig und korrekt arbeiten. Flächen, die durch Sonneneinstrahlung tendenziell schneller trocknen als schattige, können zur Prävention abgehängt werden, so dass das Material dabei nicht reißt. Wenn dies nicht geschieht, können derartige Risse im Putz in einigen Fällen als baulicher Mangel gewertet werden. Ob das wirklich der Fall ist, muss in so einer Situation dann von einem unabhängigen Gutachter festgestellt werden. Siehe auch: Sachverständiger / Gutachter für Baumängel und Risse in der Wand – wer zahlt?

Von Neubau bis Altbau: Setzungsrisse – so entstehen sie im Bauwerk

Einer der riskantesten Gründe für Wandrisse sind Setzungen. Es passiert ganz natürlich, dass sich der Boden unter einem Gebäude nach der Errichtung etwas setzt. Der Baugrund (Untergrund) wird dabei zusammengepresst, so dass das Wasser herausgedrückt wird. Wie lange dies dauert, hängt – wie bereits beschrieben – vom Untergrund ab. Das Setzen auf Kies oder Sand nimmt oft nur wenige Monate in Anspruch, bei Ton kann es sogar mehrere Jahrzehnte dauern, bis das Material nicht mehr arbeitet. Deshalb tauchen Setzungsrisse nicht nur im Neubau, sondern auch in Jahrzehnte-alten Bauwerken noch auf.

Im Laufe der Zeit ist es so möglich, dass sich ein Gebäude um bis zu 15 mm absetzt, was für gewöhnlich relativ gleichmäßig erfolgt. Auch eine unbemerkte Veränderung der Festigkeit im Boden – wie beispielsweise wenn ein Nachbargebäude ein tieferes Fundament erhält und das Erdreich dort ausgehoben sowie erneut aufgeschüttet wurde – kann eine Setzung mit entsprechenden Wandrissen zur Folge haben. Von Erschütterungen durch Bauarbeiten und minimale (unmerkliche) Erdbeben ganz zu schweigen.

Mit Hilfe eines Baugrundachtens lassen sich Unregelmäßigkeiten im Baugrund im Vorfeld oft erkennen. Wenn dies aber nicht erfolgt ist, muss ein Statiker helfen, sofern die Risse immer weiter wandern oder breiter werden. Denn nimmt die Rissbreite in einer Außenwand kontinuierlich zu, ist das kein gutes Zeichen.

Risse ausbessern: Wie lassen sich Setzungsrisse reparieren? (© focus finder / stock.adobe.com)
Risse ausbessern: Wie lassen sich Setzungsrisse reparieren? (© focus finder / stock.adobe.com)

So erkennen Sie gefährliche Putzrisse im Mauerwerk

Wie gefährlich Wandrisse tatsächlich sind, lässt sich am einfachsten an der Tiefe und Breite entdecken. Auch deren Verlauf im Mauerwerk oder im Putz spielt eine Rolle für die Bestimmung. Haarrisse nicht nicht breiter als 0,2 mm und maximal optisch sichtbar, stellen aber sonst keine weiteren Probleme dar.

Bei breiteren Rissen muss unterschieden werden, ob es sich um einen wandernden Riss handelt oder ob dieser durch ein die Statik beeinflussendes Ereignis einmalig entstanden ist. Wir empfehlen aus diesem Grund, in regelmäßigen Abständen Fotos anzufertigen, um im Laufe der Zeit überprüfen zu können, ob sich der Riss verändert. Auch eine Markierung des Rissbeginns und -endes mit einem Bleistift kann helfen, um den Verlauf im Auge zu behalten.

Sofern der Riss noch breiter oder länger wird oder es andere Umstände gibt, die auf einen eventuellen Baumangel hindeuten, ist ein Gutachter der richtige Ansprechpartner. Dieser prüft unter anderem, ob der Riss nur durch den Putz, also oberflächlich, verläuft oder ob er bereits tiefer ins Mauerwerk eindringen konnte.

Dennoch können wir Sie beruhigen: Ernsthaft gefährliche Risse, welche die gesamte Statik des Hauses beeinträchtigen, sind eher die absolute Ausnahme. Sie müssen also nach dem Entdecken eines Risses in der Wand keinesfalls befürchten, dass auf einmal das Haus zusammenbricht. In der Regel reicht es vollkommen aus, eine Sanierung des Risses durchzuführen, wofür es unterschiedliche Methoden gibt (Risssanierung).

Übrigens: Ein Riss kann auch dann Probleme mit sich bringen, wenn er kein Hinweis auf bauliche Mängel ist. In Decken und Wänden kann bei Häusern, die aus Beton (Stahlbeton) errichtet sind, Feuchtigkeit an die Armierung gelangen. Diese beginnt infolge dessen zu korrodieren – sie rostet also. Ganz ähnlich ist der Sachverhalt auch bei Fassadenrissen, welche das Eindringen von Regenwasser in das Mauerwerk ermöglichen (siehe Fassade sanieren). Weiterhin kann es geschehen, dass in die Fassade eindringendes Wasser in den Wintermonaten gefriert und somit noch zu größeren Rissen in der Fassade führt – dies sollte unbedingt genauer beobachtet werden. Siehe auch Frostschäden.

Schäden durch Rissbildung: So sanieren Sie Risse in Mauerwerk und Wand

Bei einer Sanierung von Rissen in Mauerwerk oder Putz muss als Erstes unterschieden werden, ob diese innen oder außen auftreten und welche Ursachen dafür überhaupt in Frage kommen (vgl. auch: Risse im Mauerwerk reparieren).

Für das Ausbessern von Rissen im Innenbereich, die im Putz auftreten, genügt es oft, diese mit etwas Wandfarbe zu überpinseln. Wichtig: Dabei muss es sich um minimale Haarrisse an der Innenwand handeln, die lediglich ein optisches Problem darstellen – dann ist das Reparieren kein Problem.

Spachtel, Spachtelmasse, Acryl, Fugenfüllprofil & Co…

Ein größerer oberflächlicher Riss lässt sich dagegen mit Gips oder Spachtelmasse auffüllen. Sobald die Masse im Hohlraum getrocknet ist, lässt auch dieser Bereich sich problemlos überstreichen. Ein tiefer verlaufender Setzriss wird dagegen mit Malervlies oder anderem Gewebe überbrückt und danach überspachtelt. Auf diese Weise lässt sich meist gut verhindern, dass das Material unter Spannung erneut aufreißt, sofern sich das Mauerwerk später noch weiter absenken sollte.

Setzrisse ausbessern | Wie lassen sich Risse in der Außenmauer / im Mauerwerk ausbessern und reparieren? (© Fotoschlick / stock.adobe.com)
Setzrisse ausbessern | Wie lassen sich Risse in der Außenmauer / im Mauerwerk ausbessern und reparieren? (© Fotoschlick / stock.adobe.com)

Ähnlich verhält es sich mit Setzrissen, die sich in der Fassade eines Gebäudes zeigen. Diese können ebenfalls zunächst repariert werden. Wenn die Schäden schon etwas breiter geworden sind, lassen sich Fugenfüllprofile verwenden. Hierfür muss der Riss als Erstes verbreitert werden, damit die Profile hineinpassen. Den Riss füllt man nun mit PU-Schaum auf und setzt anschließend die Fuge ein. Jetzt muss die Oberfläche mit Haftgrund bestrichen werden. Nachdem alles getrocknet ist, kann die Fugenmasse aufgetragen werden.

Risse, die noch in Bewegung sind, werden am besten mit Silikon behandelt. Bei Rissen, die schon länger ruhen, empfiehlt sich dagegen Acryl. Der letzte Schritt ist eine optische Ausbesserung mit Acryl- oder Latexfarbe – und schon ist vom Riss nichts mehr zu sehen.

Sehr wichtig ist grundsätzlich, dass Risse im Außenbereich immer repariert werden, da diese das Gebäude der Witterung aussetzen und ermöglichen, dass Feuchtigkeit ins Mauerwerk gelangen kann (vgl. auch: feuchtes Mauerwerk). Kommt es nämlich in den Wintermonaten zu Frost innerhalb der Risse im Neubau, können diese die Oberfläche regelrecht wegplatzen lassen, so dass noch höhere Sanierungskosten entstehen können.

Siehe auch: Beton Risse abdichten, Sanierputz, Balkon richtig sanieren.

Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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