Sachverständigenverfahren Ablauf (Gebäudeversicherung)

Liegt man als Versicherungsnehmer in einem Schadensfall im Streit mit der Versicherung, dann kann ein Sachverständigenverfahren ein Weg der Lösung sein. Dabei gilt es einiges zu beachten.

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Fachexperte Jens Hoffmann |
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Inhaltsverzeichnis

Wenn es durch einen Brand, austretendes Leitungswasser oder einen anderen Grund zu einem Gebäudeschaden kommt, ist der Ärger natürlich erst einmal groß. Der Verzweiflung nahe sind viele Versicherte aber vor allem dann, wenn die Versicherung den Schaden nicht übernehmen und die beanspruchte Leistung ablehnen will. In so einem Fall ist es wichtig, sich als Versicherter umgehend mit dem Versicherer (z.B. der Wohngebäudeversicherung) in Verbindung zu setzen, um den Sachverhalt erneut untersuchen zu lassen. Falls es hier nicht zu einem positiven Ausgang kommen sollte, haben Versicherte das Recht, bei einem Versicherungsombudsmann zusätzlich Beschwerde einzureichen.

In manchen Fällen kommt es vor, dass sich Versicherte und ihre Versicherungsgesellschaft nicht über die Höhe der Leistung – beziehungsweise der Kostenübernahme – einig werden können. Es passiert, dass die beiden Parteien verschiedene Einschätzungen hinsichtlich einer Entschädigung haben und es dann zu Streitigkeiten kommt. In so einem Fall kann ein Sachverständigenverfahren eine sinnvolle Maßnahme sein, um am Ende doch noch zu einer für beide Seiten zufriedenstellenden Lösung zu kommen. Der folgende Artikel erläutert Funktion und Ablauf solcher Sachverständigenverfahren.

Das Sachverständigenverfahren – was ist das genau?

Bei diesem Verfahren wird zur eindeutigen Klärung von Streitpunkten ein sogenannter Sachverständigenausschuss einberufen, welcher eine unabhängige und neutrale Entscheidung über die jeweilige Sachlage fällt. Der Ausschuss muss die Situation beurteilen, wenn sich die beiden gegnerischen Parteien über spezielle Punkte uneinig sind. Das können unter anderem die tatsächliche Höhe des Schadens, der Umfang der Sanierungsarbeiten oder die Beurteilung des Wiederbeschaffungswerts sein. Ein Sachverständigenverfahren kann dabei helfen, eine Lösung zu finden, die sowohl gerecht ist als auch die Interessen beider Seiten vertritt.

Wann macht ein Sachverständigenverfahren Sinn, und wie läuft es ab? (© MQ-Illustrations / stock.adobe.com) -- Sachverständigenverfahren Gebäudeversicherung
Wann macht ein Sachverständigenverfahren Sinn, und wie läuft es ab? (© MQ-Illustrations / stock.adobe.com)

Versicherungsnehmer gegen Wohngebäudeversicherung: Der Ablauf eines Sachverständigenverfahrens

Hat sich die Gebäudeversicherung mit dem Versicherungsnehmer auf die Durchführung eines Sachverständigenverfahrens geeinigt, gilt es zunächst den Ausschuss zu bilden. Dieser setzt sich aus mehreren Experten zusammen. Beide Parteien wählen hierfür jeweils einen Sachverständigen aus, der mit dem Thema vertraut ist und den Schaden neutral werten kann. Ein Ausschuss im Rahmen des Verfahrens besteht somit aus zwei Personen.

Für die Auswahl des Sachverständigen haben der Versicherungsnehmer und der Versicherer zwei Wochen Zeit. Sofern eine Seite nach Ablauf dieser Frist noch keinen Gutachter gefunden hat, kann die andere Partei eine Entscheidung für sie treffen.

Die beiden Sachverständigen agieren im Anschluss vollkommen neutral und führen eine unabhängige Wertung des Schadensereignisses vor. Dazu gehört auch eine Einigung auf einen gerechten Erstattungsbetrag. Gelingt dies nicht, muss unter Umständen ein zusätzliches Vermittlungsverfahren eingeleitet werden.

Wenn es beim Sachverständigenverfahren keine Einigung gibt

Nicht immer bringt ein Sachverständigenverfahren eine Lösung mit. In so einem Fall ist es unter Umständen nötig, einen dritten Sachverständigen hinzuzuziehen, der das Verfahren leitet. Die Auswahl der dritten Person trifft dabei entweder der Ausschuss oder auch das örtliche Amtsgericht, sofern sich hier keine Einigung ergibt.

Der nun hinzugekommene Gutachter untersucht den Sachverhalt erneut und fällt dann die endgültige Entscheidung bezüglich der Höhe und des Umfangs der Entschädigung. Dann gilt allerdings, dass die Schadenhöhe oder Entschädigungsleistung zwischen den beiden zuvor geschätzten Summen der anderen beiden Sachverständigen liegen muss.

Sachverständigenverfahren – wer übernimmt dafür die Kosten?

Die genauen Kosten für ein solches Verfahren zwischen den beiden Vertragsparteien hängen stets vom Ausgang der Beurteilung ab. Hierbei wird allerdings auch berücksichtigt, in welcher Hinsicht der endgültige Entschädigungsbetrag von der ursprünglich geforderten Summe abweicht. Die Kosten teilen sich also prozentual zwischen der Versicherung und dem Versicherungsnehmer auf.

Mitunter kann durch ein Sachverständigenverfahren ein teurer und langer Gerichtsprozess zwischen Versicherungsnehmer und z.B. Wohngebäudeversicherung nach einem Gebäudeschaden abgekürzt werden. - Wie ist der genaue Ablauf? (© Kzenon / Fotolia) -- Sachverständigenverfahren Versicherung
Mitunter kann durch ein Sachverständigenverfahren ein teurer und langer Gerichtsprozess zwischen Versicherungsnehmer und z.B. Wohngebäudeversicherung nach einem Gebäudeschaden abgekürzt werden. – Wie ist der genaue Ablauf? (© Kzenon / Fotolia)

Welche Kosten trägt die Gebäudeversicherung im Schadensfall?

Die Wohngebäudeversicherung bezahlt, sofern ein Eigenheim durch diverse Gefahren beschädigt worden ist. Dann übernimmt sie die Kosten für den Wiederaufbau, die Sanierung oder auch die Instandsetzung – notfalls sogar für einen Abriss eines Gebäudes und den Neubau. Falls ein Schaden so gravierend ist, dass eine Weiternutzung des Gebäudes nicht mehr möglich ist, übernimmt die Versicherung auch eine Neuerrichtung des kompletten Hauses vom Keller bis zum Dach.

Treten Sachschäden ein, die sich im Rahmen der im Versicherungsvertrag enthaltenen Leistungen bewegen, so erhalten Versicherungsnehmer laut Versicherungsvertragsgesetz von der Wohngebäudeversicherung eine Summe, die zur Beseitigung des Schadens ausreicht. Im schlimmsten Fall – wenn das Gebäude beispielsweise niedergebrannt ist – leistet die Versicherung eine Summe, die für den Wiederaufbau genügt. Auch die Kosten für Aufräum- und Abrissarbeiten zählen zu den versicherten Leistungen. Darüber hinaus springt die Versicherungsgesellschaft auch im Falle eines Mietausfalls ein (siehe Mietausfall bei Wasserschäden). Tritt beispielsweise ein Wasserschaden ein und ist die Wohnung aufgrund dessen für einige Wochen nicht mehr nutzbar, so übernimmt der Versicherer die Kosten für den Ausgleich und sorgt unter Umständen auch für die Unterbringung in einem Hotel (s.a. Ersatzwohnung wegen Wasserschaden).

In welchen Fällen zahlt die Gebäudeversicherung nicht?

So umfassend die Leistungen einer Wohngebäudeversicherung auch sein mögen – es gibt Fälle, in denen sie keine Ausgaben übernimmt.

  • Dazu zählen zum Beispiel Sachschäden, die an unfertigen Gebäuden auftreten. Typischerweise zahlt der Versicherer erst nach der Fertigstellung des Gebäudes. Bei Schäden auf der Baustelle bieten sich dagegen alternative Versicherungen an, wie eine Feuerrohbauversicherung.
  • Ausgeschlossen sind laut Versicherungen auch Schäden, die durch politische Unruhen oder Krieg am Gebäude entstanden sind.
  • Selbiges gilt auch für jegliche Schäden, die durch Absicht / Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit entstanden sind: Entsteht durch Absicht ein Brand, dann zahlt die Versicherung dafür natürlich nicht.
  • Dies gilt u.U. ebenso für Überspannungsschäden durch Blitzschlag in Telefon-, Antennen- oder Stromleitungen.
  • Beschädigt ein Sturm ein Gebäude, dann trägt die Versicherung in der Regel die Kosten nur dann, wenn die Unwetterstärke bei mehr als 8 Bft. lag. Siehe auch: Sturmschaden Windstärke Nachweis.
  • Nicht aufkommen muss der Versicherer weiterhin für Schäden, die im Zuge eines Sturms durch offene oder undichte Fenster entstehen – hier ist der Versicherte selbst in der Pflicht, sein Gebäude soweit es ihm möglich ist abzusichern.
  • Schwierig wird eine vollständige Leistung auch, wenn die Versicherung die Verletzung von Obliegenheiten (zu Recht) vorwirft.

Für Schäden durch Überschwemmung, übertretendem Grundwasser oder Rückstau (siehe Rückstau Versicherung) zahlt die „normale“ Wohngebäudeversicherung in der Regel ebenfalls nichts; hier kommt die zusätzlich abzuschließende Elementarschaden-Versicherung ins Spiel (siehe Elementarschäden Wohngebäude und Was sind erweiterte Elementarschäden?).

Schaden versichert?! - Als Hausbesitzer wähnt man sich und seine Immobilie durch die abgeschlossene Wohngebäudeversicherung bei Schäden finanziell abgesichert. Verweigert oder kürzt die Gebäudeversicherung in einem Schadensfall plötzlich die Leistung, dann kann ein Sachverständigen-Verfahren ein Lösungsweg zur Einigung sein. (© Stockwerk-Fotodesign / stock.adobe.com) -- Sachverständigenverfahren Wohngebäudeversicherung
Schaden versichert?! – Als Hausbesitzer wähnt man sich und seine Immobilie durch die abgeschlossene Wohngebäudeversicherung bei Schäden finanziell abgesichert. Verweigert oder kürzt die Gebäudeversicherung in einem Schadensfall plötzlich die Leistung, dann kann ein Sachverständigen-Verfahren ein Lösungsweg zur Einigung sein. (© Stockwerk-Fotodesign / stock.adobe.com)

Wenn die Wohngebäudeversicherung nicht zahlt: Diese Möglichkeiten haben Versicherte

Geschädigte sind mit einem durch einen Brand zerstörten Haus oder einer mit Wasser überschwemmten Wohnung (vgl. Keller unter Wasser) natürlich schon gestraft genug. Noch ärgerlicher ist es dann, wenn die Wohngebäudeversicherung die Übernahme des Schadens verweigert. In so einem Fall ist es wichtig, die Entscheidung nicht einfach zu akzeptieren, sondern sich dagegen zu wehren (vgl. Widerspruch Versicherung Ablehnung).

Leistet die Gebäudeversicherung nicht oder kürzt sie die Leistung, dann lohnt es sich, einen unabhängigen Gutachter einzusetzen, der den Sachverhalt vor Ort erneut untersucht. Oft kommen diese zu einem ganz anderen Ergebnis als Versicherungen, die sich auf Fotos vom Schadensort oder die Untersuchungen eines an sie gebundenen Gutachters stützen.

Die Wertung eines unabhängigen Sachverständigen hat notfalls auch gerichtlichen Bestand (vgl. öffentlich bestellter Sachverständiger Bauwesen) und sollte daher von Versicherten in jedem Fall in Anspruch genommen werden!

In Deutschland gibt es zudem die Möglichkeit, sich an einen Ombudsmann zu wenden, so dass notfalls auch ein Schlichtungsverfahren eingeleitet werden kann. Im Falle einer Leistungskürzung oder Leistungsverweigerung kann man sich als Versicherter an die entsprechende Stelle wenden und einen unabhängigen Schlichtungsspruch vom Ombudsmann erbitten. Dieses Verfahren kostet für Versicherte nichts.

Hierbei gilt Folgendes: Bis zu einer Summe von 10.000 Euro Streitwert ist die vom Ombudsmann gefällte Entscheidung für Versicherungsgesellschaften bindend. Ist der Streitwert höher, dann handelt es sich lediglich um eine Empfehlung. Weiterhin haben Versicherte stets die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie der Entscheidung des Ombudsmannes zustimmen möchten oder nicht.

Geht es lediglich darum, dass die zuständige Versicherungsgesellschaften die bereits geltend gemachten Summen nicht vollständig anerkennt, so können Versicherungsnehmer ein außergerichtliches Sachverständigenverfahren beantragen. Die Entscheidung in diesem Prozess ist letzten Endes, wie bereits erwähnt, für beide Parteien verbindlich.

Ist im Versicherungsvertrag nichts anderes vorgegeben, dann ist der Versicherte dazu verpflichtet, das Honorar für seinen von ihm beauftragten Sachverständigen zu tragen.

Nachfolgend ist ein Gang vor Gericht nur dann zulässig, wenn die vom Vermittler gefällte Entscheidung nachweislich von den tatsächlichen Fakten abweicht.

Darüber hinaus können Versicherte noch auf dem Rechtsweg gegen Leistungskürzungen oder gänzliche Leistungsverweigerungen seitens der Versicherungsgesellschaft vorgehen. Jedoch spielt dabei auch stets das Prozesskostenrisiko eine tragende Rolle. Verliert der Versicherungsnehmer diesen Prozess, so muss er sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten selbst bezahlen – und das kann unter Umständen teuer für ihn werden.

Gutachten gegen Gutachten und voneinander abweichende Feststellungen von Sachverständigen | Manchmal muss ein Obmann die Sachlage in einem Versicherungsfall feststellen und eine Entscheidung treffen. Das kann den Streitenden einen längeren Rechtsstreit und noch höhere Kosten in der Auseinandersetzung / Meinungsverschiedenheit ersparen. (© h_lunke / stock.adobe.com)
Gutachten gegen Gutachten und voneinander abweichende Feststellungen von Sachverständigen | Manchmal muss ein Obmann die Sachlage in einem Versicherungsfall feststellen und eine Entscheidung treffen. Das kann den Streitenden einen längeren Rechtsstreit und noch höhere Kosten in der Auseinandersetzung / Meinungsverschiedenheit ersparen. (© h_lunke / stock.adobe.com)

Wann macht ein Schiedsgutachten Sinn?

Wenn z.B. einzelne Streitpunkte während eines Bauprojekts zu klären sind, ohne sich dabei juristische Hilfe durch Gericht und Anwälte zu holen, so lohnt sich unter Umständen ein Schiedsgutachten. – Ganz egal, ob es sich darum handelt, wer für einen Baumangel verantwortlich ist oder wer einen Schaden verursacht hat – ein dritter Schiedsgutachter ist eine neutrale Partei, der sich um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung bemüht.

Siehe weiterführend auch: Beweissicherungsverfahren, Zahlt Hausratversicherung bei Selbstverschulden, Versicherung zahlt nicht: Was tun, Versicherung schickt Gutachter

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Jens Hoffmann
Leiter Sachschaden

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